Spasibo 2017! Was steht 2018 an?

Liebe Freundinnen und Freunde, Mitglieder und Partner,

wir hoffen, dass Ihr die Festtage mit der Familie, im Urlaub, bei einem guten Buch oder einer spannenden Serie genießen konnten und gesund ins neue Jahr gestartet seid. Im Jahr 2018 stehen einige wichtige Termine mit Bezug auf Osteuropa an. Ohne Zweifel wird Russland wegen zwei größeren Ereignissen – Präsidentschaftswahlen am 18. März und Fussball-WM im Juni-Juli – wieder im Fokus stehen. Zu diesen Events werden wir Aktionen und Diskussionsrunden veranstalten, über die wir rechtzeitig informieren werden.

Rückblick 2017: Russland, Ukraine, Belarus

Das Jahr 2017 bereitete neue Herausforderungen aber brachte auch neue Chancen für Dialog und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Ländern in östlichem Europa. Youthquakes erschütterten die Straßen russischer Großstädte, als Zehntausende vorwiegend junge Menschen nach den Korruptionsvorwürfen des Oppositionellen Alexei Nawalny gegen den Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew und das System Putin protestierten. Trotz der andauernden Repressionswelle gegen die Opposition, Propaganda gegen Andersdenkende und liberale Werte im Staatsfernsehen und Einschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit ist die kritische Stimme im autoritär regierten Land dank unabhängiger Online-Medien, YouTube und sozialer Netzwerke deutlich lauter geworden. Menschenrechte werden in Russland aber weiter mit Füßen getreten. Nach Angaben von Memorial befinden sich derzeit mehr als 100 Personen wegen politisch motivierter Anschuldigungen in Gefängnissen.

Anti-Korruptions-Proteste am 12. Juni 2017 in Moskau | Foto: Dekabristen e.V.

In der Ukraine machen sich korrupte Politiker, Staatsbedienstete und Oligarchen auch vier Jahre nach dem Maidan den Staat weiterhin zur Beute. Spitzenpolitiker verweigern die Zusammenarbeit mit dem Antikorruptionsbüro (NABU) und legen diesem permanent Steine in den Weg. Auch der Krieg im Osten ist lange nicht vorbei. Moskau zeigt weiterhin keine Bereitschaft, die Unterstützung der pro-russischen Separatisten im Donbas einzustellen. Dass die Ukrainer seit Juni in Europa visafrei in den Schengen-Raum einreisen dürfen, ist zweifellos ein positives Ergebnis. Davon haben in der zweiten Jahreshälfte 2017 ca. 360.000 Menschen Gebrauch gemacht, darunter auch einige Teilnehmende unserer Projekte. Auch Belarus ist nach der einseitigen Visaliberalisierung von Minsk wieder etwas näher an Europa gerückt bzw. für Europäer offener geworden. Seit Februar dürfen BürgerInnen der meisten europäischen Länder für eine Kurzreise über den Minsker Flughafen visafrei ins Land einreisen. Experten sprechen über ein Tauwetter in der weißrussischen Politik, warnen aber vor zu hohen Erwartungen angesichts langjähriger  autoritärer Herrschaft von Alexander Lukaschenko und seiner Kontrolle über Justiz, Parlament und Medien. Nach unseren Beobachtungen ist es seit diesem Jahr allerdings einfacher geworden, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen registrieren zu lassen.

Dekabristen in 2017

Von diesen und anderen Neuerungen profitierte auch unser Verein bei der Vorbereitung von Seminaren, Bildungsreisen und Austauschprogrammen. Mit mehr als 20 Fortbildungsmaßnahmen für soziales Unternehmertum, Fachgespräche für nachhaltige Entwicklung, Diskussionen zur deutschen und ukrainischen Geschichte, einer Summer School und Beratung für Akteure aus der Zivilgesellschaft sowie mit einem Praktika- und Hospitationsprogramm für Nachwuchskräfte aus der Ukraine, Moldau und Georgien leisteten Dekabristen 2017 einen Beitrag zu Dialog, Verständigung und Förderung der Zivilgesellschaft in Belarus, Russland, der Ukraine, der Republik Moldau, Georgien und Deutschland.

Social Innovation & Entrepreneurship

Über 20 Seminare für soziales Unternehmertum, Diskussionsrunden über nachhaltige Entwicklung, Akzelerationsprogramm und Bildungsreisen. Ergebnis: 1.000 Teilnehmende, Dutzende neue Projektideen und Partner in Regionen und mindestens vier neu entstandene zivilgesellschaftliche Organisationen .
Teilnehmende der Summer School bei Tour durch Berlin vom syrischen Geflüchteten von querstadtein-Projekt

Das SOIN Team hat sich 2017 verstärkt für die Zusammenarbeit im Bereich soziale Innovationen zur nachhaltigen Entwicklung engagiert. Im Januar fand das Social Innovation Forum in Minsk statt, bei dem sich Experten, Innovatoren, Sozialunternehmer aus Belarus, der Ukraine, Russland und Deutschland sowie Vertreter des belarussischen Parlaments über das Know-How im sozialen Sektor, Reformen der Gesetzgebung zur Unterstützung wirkungsorientierter Unternehmen und sozialer Initiativen austauschten. Am Ende der Konferenz fanden Pitches der Teilnehmenden des SOIN Accelerators statt. Den Förderpreis i.H.v. 1.000 Euro gewann Anna Schamko aus Belarus mit dem Projekt „Jak Mama“, welches Services für junge Familien anbietet. In Kooperation mit Dekabristen e.V. veranstaltete Anna im Juni 2017 im Weisenhaus Iwenez bei Minsk Fortbildungsseminar für Inklusion.

Vom 5. bis 10. Juni fand die Summer School for Social Innovation in Berlin statt. Zwölf Teilnehmende aus Novosibirsk, Moskau, St. Petersburg und Woronesch konnten ihre Projektideen im Hinblick auf Projektmanagement, Fundraising, digitale Sicherheit und internationale Kooperation weiterentwickeln. Am 9. Juni bekamen die drei besten Projekte in der Repräsentanz der BMW-Stiftung Förderpreise von 500 bis 1.000 Euro zur Durchführung der Projektmaßnahmen in Russland: Integrationszentrum für geflüchtete Kinder und Fortbildungsprojekt für PR und Fundraising für Menschenrechtsorganisationen in Moskau und Lernplattform für Inklusion in Woronesch.

Von Mai bis Dezember veranstaltete das SOIN-Team mehrere Seminare und Diskussionsveranstaltungen für soziales Unternehmertum, Kreativwirtschaft, nachhaltige Entwicklung in Brest, Grodno, Minsk, Mariupol, Charkiw, Kyiv, Odessa, Iwano-
Workshop für solidarische Landwirtschaft bei SpeiseGut von Christian Hanne in Gatow bei Berlin im Rahmen des Soin Accelerators

Frankiwsk, Ulan-Ude, Irkutsk, Kaliningrad, Tjumen und Moskau. An den Fortbildungsmaßnahmen beteiligten sich 250 Vertreter des Nichtregierungssektors, Unternehmer, Landwirte und sowie Vertreter der Staatsorgane. Im Herbst trugen die Bildungsreise nach Dortmund und Berlin, Workshops und ein Online-Coaching für 15 Teilnehmende im Rahmen des Akzelerationsprogramms zur Entwicklung neuer wirkungsorientierter Unternehmen in Belarus, Russland und der Ukraine bei. Zu erwähnen sind u.a. das brandneue Zentrum für soziale Innovationen in Ulan-Ude, das Animationsstudio für politische Bildung NEED in Kyiv, die

Final Pitches des SOIN Accelerators im Impact Hub Moscow

Vereinigung der Öko-Bauern aus dem belarussischen Gebiet Brest, das Coworking ‚Ja Sama‘ für Textil-Recycling und nachhaltigen Konsum in Kaliningrad. Das Projekt Social Innovation School wird seit 2015 von Sergey Medvedev geleitet. Die Projektmaßnahmen wurden 2017 durch das Auswärtiges Amt und das EU-Russland Zivilgesellschaftsforum gefördert sowie durch Spenden und Kooperationsvereinbarungen mit unseren Partnern finanziert.

Geschichtslehereraustausch Nürnberg-Charkiw

Im Jahr 2017 wurde ein neues Austauschprogramm für Geschichtslehrer initiiert. Je sieben Geschichtslehrer aus Deutschland und der Ukraine verbrachten gemeinsam im Juni und August je eine Woche in Nürnberg und Charkiw. In den beiden Partnerstädten sowie im Rahmen von Tagesausflügen besuchten sie authentische Orte der Geschichte des Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkriegs, des Holocaust und der stalinistischen Repressionen. Dazu zählten u.a. das NS-Dokumentationszentrum in München, das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände und das Memorium Nürnberger Prozesse, die Gedenkstätte im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, das Historische Museum Charkiw, das Slowo-Haus stalinistischer Repressionen, die Holodomor-Gedenkstätte und die Holocaust-Gedenkstätte am Vernichtungsort Drobyzkyj Yar bei Charkiw. Die gewonnenen Erkenntnisse und vertieften Einblicke förderten das gegenseitige Geschichtsverständnis und bereichern den Unterricht der jungen Lehrkräfte. Zum Charkiwer Teil des Austauschprogrammes entstand ein Videoclip. Das Projekt wurde von der Stiftung EVZ im Rahmen des Programmes „Meet Up! Deutsch-ukrainische Jugendbegegnungen“ gefördert und von Andrej Novak durchgeführt.

European Associates Programm

Praxiserfahrung für junge Fachkräfte aus der Ukraine, Moldau und Georgien

Bereits das dritte Jahr in Folge fand 2017 das Praxisprogramm für junge Fachkräfte in Nordbayern statt. Zwölf hochqualifizierte Studierende und Absolventen aus den EU-assoziierten Ländern der Östlichen Partnerschaft verbrachten von vier bis acht Wochen in Praktika und Hospitationen in Nordbayern. Die Teilnehmenden aus der Ukraine, Moldau und Georgien sammelten Erfahrungen u.a. beim Bayerischen Rundfunk, beim Oberlandesgericht Nürnberg, der N-Ergie AG, im Start-Up-Unternehmen Logchain GmbH, beim Weiterbildungszentrum für Energieeffizienz Q.Punkt, bei iKratos Solar- und Energietechnik GmbH und am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg. Für intensive Teilhabe und lehrreiche Erfahrungen sorgte auch das Alltagsleben in den Gastfamilien. Gemeinsame Gruppentreffen und Ausflüge trugen zur Entwicklung des Teamgeistes und dem Kennerlernen der Region sowie zur Vertiefung der Kenntnisse über die Geschichte und das politisches System Deutschlands bei. Das European Associates Programm wurde einmal mehr durch die Finanzierung des Auswärtigen Amtes ermöglicht und vom Projektleiter Andrej Novak durchgeführt.

 

Für die gute Zusammenarbeit, den Austausch, Inspiration und neue Ideen bedanken wir uns sehr bei unseren Partnern in Deutschland, Belarus, Russland, in der Ukraine, der Republik Moldau und Georgien sowie beim Auswärtigen Amt und den deutschen Außenvertretungen, die unsere Arbeit in den Ländern Osteuropas unterstützen und u.a. blitzschnelle Ausstellung von Visa für die Teilnehmenden der Summer School und weiterer Austauschprogramme ermöglichten.

Was steht 2018 an?

In der ersten Jahreshälfte finden statt ein Austauschprogramm für soziale Unternehmer und Innovatoren aus Russland, das Ruberoid-Festival: Kunst ohne Grenzen (Ende April) sowie eine Podiumsdiskussion zu bevorstehenden Präsidentschaftswahlen und der Strategie der Opposition, die Wahlen zu boykottieren. Alle aktuellen Informationen über Veranstaltungen und Ausschreibungen finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg im Neuen Jahr und freuen uns über Ihre Teilnahme und die Zusammenarbeit in 2018!

Team Dekabristen e.V.