ai??zKritik muss nicht beleidigend seinai???: Hartmut Zinser A?ber die GrA?nde fA?r Radikalisierung und Aufgabe der Religionswissenschaft

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(c) Aus dem persAi??nlichen Archiv

Hartmut Zinser ist Religionswissenschaftler und Ethnologe mit einem sehr breiten Interessenspektrum: EuropAi??ische Religionsgeschichte seit der FranzAi??sischen Revolution, die rAi??mische Religionsgeschichte, das antike Christentum und die Stammesreligionen bis hin zu der systematischen Religionswissenschaft sowie den Mythostheorien. Zinser ist emeritierter Professor an der FU Berlin und Autor zahlreicher BA?cher, darunter ai??zReligion und Kriegai???, dass 2015 erschienen ist.

Manche denken A?ber die Religionswissenschaft, wie auch A?ber viele andere Geisteswissenschaften, es sei etwas Gegenstandloses. Warum ist die Religionswissenschaft A?berhaupt eine Wissenschaft?

Warum ist es A?berhaupt eine Wissenschaft? Was ist der Gegenstand der Religionswissenschaft? DarA?ber sind die Gelehrten sich vAi??llig uneinig. Da sie auf diese Frage verschiedene Antworten haben, entfalten sich daraus verschiedene Methoden. Ich vertrete die Auffassung, Gegenstand der Wissenschaft kann nur das sein, was empirisch erforschbar ist. Gott und GAi??tter, Geister und was es auch noch alles fA?r A?bermenschliche Wesen gibt, sind nicht empirisch erforschbar. Erforschen kAi??nnen wir nur, was die Menschen als GAi??tter, Geister, BAi??sewichte, Teufel, Engel, Heilige ausgeben. Das kAi??nnen wir erforschen, wir kAi??nnen jeden fragen nach seinen Vorstellungen A?ber solche Wesen. Wir kAi??nnen die objektiv gewordene Gestaltung in Bildern oder in sakralen GebAi??uden untersuchen. Deswegen meine ich, dass diese Vorstellungen und daraus folgende Aktionen der Gegenstand der Religionswissenschaft sind.

Aber viele andere Kollegen meinen, sie kAi??nnen zum A?bermenschlichen, Transzendenten, zum HAi??heren voranschreiten. Ich halte das, auAYerhalb der Theologie, fA?r unmAi??glich, aber die Theologie ist ein Sonderfall und darA?ber brauchen wir jetzt nicht zu sprechen. Theologie hat zwei Voraussetzungen: subjektiv ai??i?? den Glauben und objektiv ai??i?? eine soziale Gemeinschaft, die Kirche oder eine andere Form der Organisation, die aus der Glaubensvorstellung eine gesellschaftliche RealitAi??t machen. Diese kann auch wieder zerfallen. Insofern ist die Religionswissenschaft mit allen kulturellen SchAi??pfungen beschAi??ftigt, die als Religion bezeichnet werden.

Was ist Religion? Hier gibt es vAi??llig verschiedene Auffassungen und natA?rlich verschiedene historische Erscheinungen. Die Antike und rAi??mische Religion ist etwas vAi??llig anderes als das Christentum. Cicero definiert die antike rAi??mische Religion: ai??zReligion ist Verehrung der GAi??tterai???. Nach dem grAi??AYten Gebot im Neuen Testament soll man Gott vom ganzen Herzen lieben und den nAi??chsten wie sich selbst. Das sind zwei inhaltlich ganz verschiedene Gestaltungen von Religion. Wenn man sich das nun weiter durch die Weltgeschichte ansieht, dann stellt man noch weitere groAYe Differenzen fest. Wie kann es also eine Religionswissenschaft geben? Vergleicht man dann nicht Ai??pfel und Birnen oder Ai??pfel und Steine? Die Antwort auf diese Frage ist ziemlich einfach, nAi??mlich die Religionen haben das selber gemacht.

Die Christen nannten ihr Unternehmen Religion in AnknA?pfung an die rAi??mische Bezeichnung dieser kulturellen ErschAi??pfung. Sie haben damit eine Gleichsetzung selber hergestellt. Die Gleichsetzung findet sich auch woanders. Zum Beispiel die religionspolitischen MaAYnahmen des persischen GroAYreiches. FA?r die unterworfenen VAi??lker haben sie religionspolitische MaAYnahmen ergriffen, am bekanntesten ist der Erlass zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem. Sie haben Bestimmungen A?ber die religiAi??sen Kulte und AusfA?hrungen ihrer Untertanen erlassen. Diese sahen sehr verschieden im persischen GroAYreich aus.

Die RAi??mer dann spAi??ter ganz genau so. SpAi??testens in dem Moment, wo die Bildung von GroAYreichen zu beobachten ist, finden Sie auch eine Gleichsetzung und Vergleichung der kulturellen Erscheinungen, die wir dann Religion nennen. Das wird nicht immer mit den semantisch gleichen Begriffen bezeichnet, aber das halte ich fA?r sekundAi??r. Sofern alle Religionen sich selber verglichen haben und damit auch sich gleichgesetzt haben, kann ich sie unter einem Begriff verhandeln.

Also kann man dann sagen, dass die Religion von Anfang an mit Politik eng verbunden war? Als Begriff entstanden ist, weil es politisch nAi??tig war?

Ich wA?rde lieber sagen mit Gesellschaft. Die Frage ist, ab wann man im vollen Sinne von Politik reden kann und da bin ich mir jetzt nicht sicher. A?ber die AnfAi??nge wissen wir nichts. Wir wissen erst etwas A?ber die Zeiten, seitdem geschrieben wird und schriftliche A?berlieferungen vorliegen. Das geht ins 3. Jahrtausend vor Christus. – Alle Religionen geben Antworten auf die Fragen: ai??zWie soll ich leben?ai???, ai??zWas darf ich tun?ai???, ai??zWas darf ich nicht tun?ai??? Das sind immer kollektive Fragen, weil andere davon betroffen sind. Es sind gleichzeitig individuelle Fragen sowie Fragen, die sich auf die Natur beziehen: ai??zWas darf ich mit der Natur machen und was nicht?ai??? Solange die Natur als GottesschAi??pfung betrachtet wird oder wenn die Natur als eine Manifestation eines Gottes angesehen wird, darf man ja nur begrenzt eingreifen, weil man in die DomAi??ne eines Anderen eingreift und der kAi??nnte sich bAi??se rAi??chen. Insofern geben Religionen Antworten, die immer zugleich kollektiv sind. NatA?rlich gibt es auch eine private, individuelle SphAi??re. Religion wirkt an der gesellschaftlichen Gestaltung mit, sehr krAi??ftig. Wenn Sie das Politik nennen, dann kAi??nnen Sie sagen, Religion ist immer mit Politik verbunden.

Sie haben jetzt viel vom Altertum gesprochen. Die Meinung, dass Religion nicht mehr als Ai??ein A?berbleibsel von den alten Zeiten ist, ein Anzeichen schlechter Bildung und etwas, was es heute nicht mehr geben soll, hAi??rt man nicht selten.

Ja, das war die Theorie, die im 19. Jahrhundert im Zuge der evolutionistischen Theorien entstanden ist, die eigentlich die Weltgeschichte einteilen. Zum Beispiel bei J. G. Frazer gibt es die magische Phase, die religiAi??se Phase und die wissenschaftliche Phase. Andere sprachen vom theologischen Zeitalter, metaphysischen Zeitalter und vom positiven Zeitalter und verrechneten die Religion unter eine bestimmte Phase der Menschheit. Diese evolutionistische Position vertreten heute hAi??chstens noch AuAYenseiter.

Es gibt Ai??nderungen innerhalb der Religion. Solange man Religion wie in dem Zeitalter der AufklAi??rung als eine Theorie A?ber die Wirklichkeit, als eine Kenntnis A?ber die Wirklichkeit betrachtet hat,Ai?? setzte man sie in Vergleich zu Wissenschaft. Das ist heute nicht mehr so. Schleiermacher, ein deutscher Theologe hat bereits verkA?ndet, Religion ist ein GefA?hl der schlechthinnigen AbhAi??ngigkeit, der Anschauung der Unendlichkeit und des Universums. Er lAi??AYt Religion verzichten auf politische und wissenschaftliche AnsprA?che. Religion habe mit den Problemen zu tun, wo die Wissenschaft keine Antworten geben kann. A?ber den Sinn des Lebens zum Beispiel oder A?ber die Fragen nach dem Tod ai??i?? da gibt die Wissenschaft keine Antwort. Wenn sie das tut, verwandelt sie sich in Ideologie. Diese Fragen bedrAi??ngen aber die Menschen. Die wollen wissen: ai??zWozu ich lebe?ai??? oder ai??zWozu ich leben will?ai???

Viele schA?tten es mit Wellness und Entertainment heute zu Ai??und es ist auch akzeptiert und gut so. Aber die Wissenschaft kann viele Fragen nicht beantworten. Sie kAi??nnen das auch im Marxismus beobachten. Die Ansicht von Marx, was Religion ist, lautet: ai??zDer Seufzer der bedrAi??ngten Kreaturai???. Das ist sicherlich richtig, aber das ist nur ein Aspekt. NAi??mlich fA?r die Dinge, die eben der Mensch nicht zureichend machen kann, weil er gebrechlich ist, da sucht er Trost woanders. MancheAi?? finden ihn in der Kunst, manche in der Literatur, manche im Sex und andere eben in der Religion. Weil die Wissenschaften vieles offen lassen mA?ssen, das sie nicht verbindlich beantworten kAi??nnen, bleibt immer ein Bereich bestehen, der den Religionen einen AktivitAi??tsraum schafft.

Ferner gibt es noch ein zweites Moment. In allen Religionen sind ethische und moralische Normen entwickelt worden. Alle Religionen sagen, was ich tun darf, was nicht, ich darf nicht tAi??ten, nicht stehlen. Also Religionen entfalten ethische Vorschriften und moralische Vorstellungen A?ber das zwischenmenschliche Leben und sie entfalten damit eine Vorstellung, wie es sein soll. Sie kAi??nnen die groAYe VerkA?ndigung des Christentums ai??zDu sollst deinen nAi??chsten liebenai??? als Regel ansehen, um alle zwischenmenschliche Regelungen daraufhin zu A?berprA?fen, ob sie dieser Norm entsprechen oder nicht. Und dann stellen sie fest, dass viele Regelungen, viele Gesetzte, viele VerhAi??ltnisse dieser Forderung nicht entsprechen. Die behandeln die Menschen lieblos ai??i?? und Marx zitiert das alles ai??i?? und unterdrA?cken sie und beschAi??digen sie und so weiter und so fort. Insofern kAi??nnten die Religionen ai??i?? ich spreche vom Potenzial – eine kritische Instanz an den MaAYnahmen unserer Gesellschaft und unserer gesellschaftlichen VerhAi??ltnissen werden.

Es scheint, als ob es heutzutage viele MissverstAi??ndnisse gAi??be, rund ums Thema Religion, Islam ist wahrscheinlich ein Paradebeispiel dafA?r. Viele haben Angst vor Islamisierung.

Es gibt sehr viele MissverstAi??ndnisse, aber die Angst vieler Leute vor religiAi??sen Normen ist auch berechtigt. Wir haben seit der Reformation in Europa eine Emanzipation erlebt und erfahren und mA?hsam erkAi??mpft, die die Normen der Religion distanziert und alles sAi??kularisiert hat und ihre gesellschaftlichen Regelungen beschrAi??nkt hat. Mehr oder weniger. A?ber die Gesellschaft wurde das geregelt, was geregelt werden muss und worA?ber man die Regelungen treffen kann. Das sind Dinge, die empirisch sind. Man hat deswegen einen Modus gefunden, alles Transzendente, allen Glauben zu privatisieren und zu neutralisieren. Absolute AnsprA?che, die die Religionen vertreten, lassen sich nicht vermitteln. Da gibt es dann hAi??ufig gewalttAi??tige Auseinandersetzungen bis hin zum Krieg. Es gibt etliche Religionen auf der Welt, die haben diese sAi??kulare Position noch nicht A?bernommen. Sondern sie folgen der Auffassung, dass es eigentlich ein Irrtum ist, dieses Modell, das in Europa entwickelt worden ist: die Neutralisierung, SAi??kularisierung und Privatisierung der Religion, und dass damit ihr Wahrheitsanspruch aufgegeben wird. Deswegen wollen sie zu ihrer Religion zurA?ckkehren, die sie dann zur Grundlage machen wollen, fA?r sich und auch fA?r alle anderen. Da gibt es eine berechtigte Sorge. Ferner, es gibt gewalttAi??tige Religionen oder – ich bin ein Radikaler ai??i?? alle Religionen haben ein Gewaltpotenzial in sich. Wenn die sozialpolitischen VerhAi??ltnisse so sind, wie sie nun hAi??ufig sind, dann greifen sie auch zur Gewalt. Nur ein Beispiel aus dem letzten Jahrhundert. Da gab es einen groAYen BA?rgerkrieg in Sri Lanka zwischen Buddhisten und Tamilen. Wenn man sich die Stellungnahmen der buddhistischen Priester oder Ai??bte ansieht, dann ist es grauenhaft. Wenn man es sich im Christentum ansieht, dann verkA?ndet es zwar Gewaltfreiheit aber spAi??testens seit Augustinus gibt es die Lehre des Gerechten Krieges, die eine Antwort auf die Frage gibt, ai??zWann darf ich meinem Nachbarn den Kopf abhauenai???. Diese Lehre ist dann spAi??ter von Thomas von Aquin nochmal ausgearbeitet worden. Daneben lief aber eine weitere Lehre, wo das TAi??ten zu einer religiAi??sen Tat wurde, nAi??mlich in den KreuzzA?gen ai??i?? in denen man durch das TAi??ten im Kreuzzug einen vollstAi??ndigen SA?ndenablas erhalten hat. Das ist wirklich eine Katastrophe. Wenn MAi??rtyrer, wo immer sie herkommen heute, direkt ins Paradies eingehen, dann ist das das Gleiche. Davor hat man berechtigt Sorgen.

Sie haben auch ein Buch zu diesem Thema geschrieben, das 2015 erschienen ist. Wie schreibt man so ein Buch? Wie arbeitet ein Religionswissenschaftler?

Wie arbeitet der Religionswissenschaftler? Die Religionswissenschaft hat vielfAi??ltige Methoden bei der Arbeit. Eine Sache ist natA?rlich, dass man die Texte und Schriften der Religionen zur Kenntnis nehmen muss. Das basiert wesentlich darauf, dass die ersten Religionswissenschaftler Protestanten und dann auch Katholiken waren; im Christentum gibt es einen Offenbarungstext, das Neue und Alte Testament und es gibt eine Riesenliteratur, die Bibliotheken fA?r die Auslegung und Interpretation dieser Texte fA?llt. Als im Zuge des Kolonialismus in der Neuzeit Europa mit anderen Kulturen im Kontakt kam, hat man dann in Anlehnung an das Christentum nach den Schriften der anderen Religionen gesehen und untersucht, was diese fA?r Vorstellungen und Lehren haben. Dabei wurde nicht bedacht, dass es Religionen gibt, die keine Offenbarungsschriften haben. In ihnen offenbaren sich die GAi??tter, Geister, Engel, Teufel nicht durch Texte. Die antiken Religionen haben zum Beispiel keine Offenbarungstexte. Die RAi??mer haben das nicht, die Griechen auch nicht. Als heilige Texte wurden allenfalls die Orakel angesehen, Ai??weil sie ein Spruch eines Gottes oder eben von GAi??ttern waren. Das ist also die eine Methode und sie ist natA?rlich nach wie vor richtig aber man muss genau kontrollieren, ob der Gegenstand, den ich untersuche, A?berhaupt sich selber als Text versteht. Es gibt Religionen, die legen das Gewicht auf die ErfA?llung der Riten und der Kulte, also von Praktiken: Da spielt Glaube auch keine entscheidende Rolle, wie im Christentum, wo man durch den Glauben erlAi??st wird, wie Paulus sagt. Die antiken RAi??mer haben die Glaubensfragen des Christentums nicht verstanden. Sie haben in gewisser Weise die GAi??tter fA?r wahr gehalten. Wer sich nicht daran hAi??lt, ist selber schuld. Dem fAi??llt dann der Ziegel vom Dach auf den Kopf, das gehAi??rte zur innerweltlichen Natur. ai??zErlAi??stai??? wurde man durch ErfA?llung der den GAi??ttern zukommenden Pflichten, also Opfer. NatA?rlich sind sie auch mit Gebeten verbunden, eventuell gibt es auch kurze Texte. Predigten gab es hingegen nicht, diese sind ein konstituierendes Element des Christentums. Der Religionswissenschaftler, der eine solche Religion untersucht, muss sich natA?rlich die Kulte ansehen. Nun gibt es andererseits keine Religionen ohne Kulte, also auch das Christentum entfaltet Kulte. Manche sind sehr nA?chtern, wie bei Kalvinisten, die anderen sind etwas mehr ausgestaltet: Bei den orthodoxen dauert es bisweilen 6-8 Stunden, eine groAYartige Performance, wenn ich das sagen darf, wird inszeniert. Selbst innerhalb der einzelnen Religionen gibt es vAi??llig verschiedene AusprAi??gungen. Ai??Man muss da schon hingehen und direkt beobachten. Die direkte Beobachtung ist eine ganz andere Methode. Man muss natA?rlich auch soziologische Untersuchungsmethoden heranziehen, weil sie wAi??hrend eines Kultus in der Regel die Leute nicht befragen kAi??nnen. Das wA?rde als StAi??rung empfunden. Es gibt sehr viele Aussagen der Religionswissenschaft A?ber empirische Daten, die schlichtweg falsch sind und die man aber A?berprA?fen kann. Aussagen von GAi??ttern kAi??nnen Sie nicht empirisch A?berprA?fen, Aussagen von Menschen kAi??nnen wir empirisch A?berprA?fen. Wie stellen sich die Menschen Gott vor? Trotz aller theologischen Kritik in den Versuchen einer apophatischen Theologie ist es so, dass die meisten Menschen sich ihren Gott als menschengestaltig vorstellen mit allen menschlichen Eigenschaften, besonders Heiligen – die kleineren GAi??tter – werden so vorgestellt. Entsprechend kann es dann passieren, wenn ein Heiliger seine Gunst nicht gegeben hat, dass man ihn bespuckt oder ihn vielleicht schlAi??gt. Wie sich die Menschen ihren Gott oder ihre GAi??tter vorstellen, kann man empirisch durch eine Befragung erheben. Was man in den Schriften von ReligionsfA?hrer und Theologen lesen kann, mag mit dem, was das Kirchenvolk denkt und fA?hlt, wenig zu schaffen haben.

Das sind drei verschiedenen Methoden, die man anfA?hren kAi??nnte, es gibt sicherlich noch weitere, da Religion ja irgendwie psychologisch wirkt. Wenn man die Vorstellung hat, Gott wird mich bestrafen, wenn ich seine Gebote A?bertrete, wirkt so etwas individuell psychologisch und da mA?sste manAi?? eine entsprechende Psychologie haben, die gibt es bis heute nicht, jedenfalls nicht empirisch ausgewiesen. Bei psychologischen Untersuchungen lehnt man sich an psychologische Theorien eher an. – Es gibt mithin viele Methoden. Man wird bei historischen Untersuchungen arbeiten mA?ssen, wie ein Historiker, es gibt keine besondere historische Methode in der Religionswissenschaft. Es gab einen Religionswissenschaftler ai??i?? van der Leeuw ai??i?? der war der Auffassung, man muss als Religionswissenschaftler sich in das fremde religiAi??se Erleben, hineinleben, hineinfantasieren, hineinbegeben. Das geht nicht. Da gibt es Grenzen, dessen was man kann. Das halte ich fA?r wasserkAi??pfig oder nicht erfA?llbar: Jeder macht natA?rlich was anderes bei seinem Hineinleben ins fremde religiAi??se Erleben. So wird, wenn ich grob sein darf, die fremde religiAi??se Vorstellungswelt vergewaltigt. Denn wir haben bewuAYt oder unbewuAYt auch religiAi??sen Vorstellungen, die haben wir irgendwann in der Kindheit gelernt, vielleicht auch antireligiAi??se Vorstellungen, die gibt es ja auch. Diese werden sozusagen zu einem unbewussten, manchmal nicht erkannten MaAYstab, nach dem man das Andere beurteilt und darstellt. Insofern wird es darauf ankommen, dass man dieses sehr genau kontrolliert, wo projiziere ich Vorstellungen, die aus meiner Tradition kommen, in eine andere Religion und auch da hat man mit psychologischen Prozessen zu tun.

Interessant, ich dachte, es gibt sie. Es gibt etwas dazu bei Jung oder Freud, es gibt auch die kosmische transpersonale Psychologie, aber ich war mir sicher, Ai??es gibt auch seriAi??sere Studien.

Ich habe mich jahrelang, jahrzehntelang mit der freudschen Psychoanalyse und der von C.G. Jung und anderer beschAi??ftigt. Die Erkenntnisse der freudschen Psychotherapie sind nicht auf die Religion A?bertragbar, das ist eine Illusion, aus einem einfachen Grund. In der freudschen Therapie wird der Patient aufgefordert alles zu sagen, was ihm durch den Kopf geht, auch wenn es unangenehm ist, wenn es bAi??sartig, unsittlich, unvernA?nftig und sonst was sei. Das macht vielleicht ein Patient mit Leidenseinsicht in der Therapie, weil er von seinem Leiden erlAi??st werden will. Er ist in der besonderen Situation der Therapie, in der nicht gehandelt Ai??wird, dazu bereit. Wenn sie einen Teilnehmer eines Kultus fragen, gibt er ihnen keine Antwort. Sie kAi??nnen ihn nicht auf die Couch legen, nur diejenigen, die Krankheitseinsicht haben und damit wird Religion zur Krankheit gemacht. Das ist sicherlich falsch, denn Religionen sind keine Krankheit, sondern eine kulturelle SchAi??pfung. Es gibt von Religion verursachte Krankheiten, gar keine Frage: Ekklesiogene Neurosen. Manche Vorstellungen der Religion, die aus den alten Zeiten stammen, sind heute unangemessen und machen die Leute krank. Aber sie kAi??nnen die therapeutische Methode der Psychoanalyse nicht auf einen kulturellen Gegenstand anwenden, ohne ihn vAi??llig zu verzerren oder einseitig zu machen. Es passiert dann folgendes: weil sie keinen Teilnehmer eines Kultus zur sog. freien Assoziation bewegen kAi??nnen, ersetzt der Forscher die Assoziationen durch das, was er aus der Literatur zusammentrAi??gt und nimmt dann verschiedene Formen als Assoziationen zu einem Gegenstand und genauso benutzen sie ihre eigenen Assoziationen.

Wenn wir schon bei Psychologie und GefA?hlen sind. Man hAi??rt immer wieder in der letzten Zeit, dass GefA?hle der GlAi??ubigen gekrAi??nkt werden, durch dies und das und oft durch Kunst. Ist es eine neue Erscheinung oder nicht? Es gibt ja Theologie, offensichtlich gibt es ja auch rationale Menschen unter den GlAi??ubigen. Sind also religiAi??se GefA?hle irgendeine andere Art von GefA?hlen, dass man sie schA?tzen muss?

Nein. Blasphemie, die LAi??sterung Gottes Ai??war schon im Alten Testament verworfen und wurde auch bei anderen Religionen strikt bestraft. Ein lAi??sterliches Verhalten gegenA?ber dem Kultus wurde auch bestraft, Sokrates wurde unter anderem wegen Blasphemie zu Tode gebracht. Das gibt es in allen Religionen und das hat auch eine gewisse Berechtigung, die unmittelbare AusA?bung des Kultus sollte geschA?tzt sein. Wir kAi??nnen Frieden dadurch haben, dass wir Religionen neutralisieren, d.h. man muss sie privatisieren, und dann muss man diese PrivatsphAi??re und diese NeutralitAi??t schA?tzen. Es ist eine Frage der Grenzen, denn mit unserem ReligionsverhAi??ltnis wird auch die Kritik der Religion geschA?tzt. Es gibt natA?rlich Formen der Kritik, die keine Kritik sind, sondern Beschimpfung. Das muss sich niemand gefallen lassen. Das ist in Deutschland nach dem deutschen Strafgesetzbuch geschA?tzt. Eine Beschimpfung einer Religion, die geeignet ist den Ai??ffentlichen Frieden zu zerstAi??ren, wird bestraft. Es gibt ganz absurde Prozesse in Deutschland. Zum Beispiel die Staatsanwaltschaft wurde tAi??tig, als jemand einen Aufkleber gemacht hat: ai??zHAi??tte Maria abgetrieben, wAi??rt ihr uns das erspart gebliebenai???. Man kAi??nnte noch eine ganze Reihe solcher FAi??lle anfA?hren. Kritik muss mAi??glich sein, sogar harte Kritik muss mAi??glich sein, aber die Kritik muss nicht beleidigend sein. Die religiAi??sen GefA?hle sind nicht zu schA?tzen. Das geht nicht. GeschA?tzt werden muss der Kultus, aber nicht die religiAi??sen GefA?hle. Was ist das? Wenn wir damit anfangen, dann sind wir am Ende, weil alles dann den religiAi??sen GefA?hlen zugeordnet werden kann. AuAYerhalb der Sakralbauten gibt es da keinen Anspruch. Vor allem was ist da alles darunter zu zAi??hlen, was sind religiAi??se GefA?hle?

Es gibt keine Definition, deswegen frage ich. Sind Religionen generell mehr rational oder mehr gefA?hlsmAi??AYig?

Da ist ein ganz merkwA?rdiger Prozess durch den Lauf der Geschichte zu beobachten. Die Religion fA?hrt zunAi??chst einmal durch Wiederholung, Systematisierung und Ritualisierung zu einer Rationalisierung sowohl der Vorstellungen als auch des Kultus, wie bereits Max Weber herausgestellt hat. ZunAi??chst sind die Religionen die Vertreter der RationalitAi??t und das Ai??ndert sich eigentlich erst radikal in der AufklAi??rung. Seitdem wird die Religion irrationalisiert. Sie wird zum spezifisch Irrationalen und das bleibt heute vielfach im Bereich der GefA?hlsebene,

Kann es sein, dass jemand – eine Person oder eine Gruppe – zu viel beschimpft oder breiter gemeint verachtet worden ist und dadurch zu Fundamentalisten geworden ist?

Die Kritik kann nicht viele Leute dazu fA?hren, religiAi??s extremistisch zu werden. Das was Sie meinen hat eine lange Geschichte, das hAi??ngt mit dem europAi??ischen Kolonialismus zusammen, der die kolonialisierten VAi??lker hAi??ufig wenig respektvoll behandelt hat. A?berhaupt Kolonialismus heiAYt ja Unterwerfung und Ausbeutung, wenn man das Wort noch verwenden darf, und Missachtung des Eigenen dieser Kulturen und das wollen die Menschen irgendwann verteidigen. Dann entsteht die Frage: was ist unser Eigenes? Dann besinnt man sich auf die Religion. Nicht die Wirtschaft ist es, nicht die Form des Landbaus usw. Das, wodurch man sich wirklich von den Kolonisatoren zu unterscheiden scheint, ist die eigene Religion und Tradition. Damit entsteht die RA?ckbesinnung auf die eigene Religion. Leider hAi??ufig zugleich, ohne dass die Religion transformiert wird in eine Form, die an der Moderne angemessen ist, so dass die Leute ein gespaltenes VerhAi??ltnis haben. Auf der einen Seite geben sie Ai??z.B. Geld den Banken und kriegen Zinsen davon, auf der anderen Seite haben Sie ein religiAi??ses Zinsverbot. Was macht man? Man umgeht die religiAi??sen Bestimmungen. Ganz einfach. Man gibt nicht in ein Gelddarlehen, sondern man kauft etwas, dass man nach sechs Wochen entsprechend mit den Zinsaufschlag teurer zurA?ckverkauft. Dann haben sie den gleichen Prozess, wie mit den Zinsen. Also das alles ist nicht seriAi??s, was da auf dieser Ebene vielfach passiert. Solche Umgehungen kAi??nnten wir weltweit beobachten. Es stellt sich natA?rlich die Frage, was ist das eigene, auf das man sich besinnt. In der ai??zBesinnungai??? findet ein ReflexionsprozeAY statt, der das eigene wiederum verAi??ndert. – Ich denke eher, dass die ZurA?cksetzung, Benachteiligung, die Verlierer des Modernisierungsprozesses, des Kolonialisierungsprozesses Ai??diejenigen sind, die in eine extreme religiAi??se Position geraten kAi??nnen und zwar in allen Bereichen, auch in Christentum, auch in Europa. Wir sind ja relativ reich hier, wenn ich das so sagen darf, gemessen an anderen LAi??ndern auch innerhalb Europas. Der Reichtum wird natA?rlich beneidet. Es gibt eben auch arme Menschen. Es ist nicht nur die materielle Armut, die Leute in extreme religiAi??se Positionen bringen, sondern ich nenne es mal die Erfahrung der Sinnlosigkeit, Vergeblichkeit. Wir haben auch in den oberen Bereichen der Gesellschaft religiAi??se Extremisten. Die AttentAi??ter von New York vom 11. September hatten alle einen akademischen Abschluss, gehAi??rten also ganz klar zur Oberschicht. Bin Laden stammt aus einer unendlich reichen Familie. Wenn sie das untersuchen, dann finden sie, dass gerade solche AnschlAi??ge hauptsAi??chlich von den Leuten gemacht werden, die eigentlich zu den Privilegierteren unserer Gesellschaft gehAi??ren, aber die mit ihrem Leben nicht einverstanden sind, vielleicht in Deutschland oder in anderen europAi??ischen LAi??ndern eine ZurA?cksetzung konkret erfahren, vielleicht auch falsche Erwartungen haben und falsche, jedenfalls unangemessene Vorstellungen und ihr Leben als sinnlos erfahren. Sie suchen nach einen unverbrA?chlichem, festgelegten und verbA?rgten Sinn und das bieten viele Religionen. Die Moderne hat, wie Nitzsche verkA?ndet, keine objektive Sinnstiftung, sie sind alle falsch, sondern die Aufgabe des Menschen ist, sich selber einen Zweck und Sinn zu suchen. Das A?berfordert aber viele Menschen. Es ist ja auch anstrengend. Absolute Vorstellungen und AnsprA?che kAi??nnen nicht realisiert werden, es kommen immer Kompromissen heraus, die man annehmen oder abweisen kann. Die moderne Gesellschaft sagt nicht, was wir tun sollen, sondern sie gibt einen Rahmen, innerhalb dessen man sein Leben selbst bestimmten muss. Manche Menschen sind dafA?r nicht vorbereitet. Sie haben auch die MAi??glichkeiten nicht, weil die dazu erforderlichen Bildung und Ausbildung nicht gegeben ist, wenn das A?berhaupt mAi??glich ist. Ai??Sie scheitern schon bei der Bewerbung fA?r eine Lehrstelle oder im Studium machen sie kein Examen. Ein Ausweg aus so einer Situation ist die Annahme einer religiAi??sen Extremposition. Das spielt sicherlich eine Rolle. Wobei die Psychogenese von religiAi??sen Terroristen noch nicht geschrieben ist und es hat noch keiner untersucht. Was ich dazu gelesen habe, ist wenig wirklich ausgewiesen. Das hat einen einfachen Grund: wirkliche Terroristen reden nicht darA?ber, vor allem nicht mit einem Forscher, ich habe es versucht. Die Konstruktionen der AuAYenbeobachtung sind vielfach schief. Wenn sie sich spAi??ter vom Terrorismus abgesagt haben, dann A?bernehmen sie sehr schnell die gesellschaftlich anerkannten GrA?nde, warum sie zu solchen abstrusen Gruppen gekommen sein kAi??nnen und erzAi??hlen das, was sie auch in den Texten, HandbA?chern selber nachlesen kAi??nnen. Sie wissen es vielleicht jetzt gar nicht mehr. Also ich weiAY es nicht, wie Leute da hinengeraten sind, man kann eine ganze Reihe von sozialen und individuellen lebensgeschichtlichen Konstruktionen machen. Es gibt sicherlich einen Moment, dass die Menschen ein Leben in A?bereinstimmung mit ihren eigenen Vorstellungen und BedA?rfnissen fA?hren wollen und wenn sie beobachten, das geht nicht aus vielen GrA?nden, dann kAi??nnen sie entweder in Verzweiflung landen oder die Frage verabschieden oder eben zu einer extremen Position fA?hren.

Wie nA?tzt das bessere VerstAi??ndnis der Religion heutzutage in der Situation, die sie eben beschrieben haben? Kann es dazu beitragen, dass mehr Frieden auf der Welt herrscht, dass sich die Zivilgesellschaft entwickelt?

Also ich denke, alle Menschen sollen Grundkenntnisse aller hier erscheinenden Religionen haben, weil man sonst die anderen Menschen nicht versteht. Die Religion gestaltet das Bewusstsein der Menschen, nicht alleine aber doch auch nicht unwesentlich, und die Antworten der Religionen sind verschieden. Denken Sie nur daran, im Christentum dA?rfen Sie nur eine Frau bzw. einen Mann heiraten, Wiederheirat ist fA?r manche Konfessionen ein groAYes Problem, Scheiden ist ein ebenso groAYes Problem. Aber es gibt Gesellschaften, in denen sie vier Frauen heiraten dA?rfen oder so viele, wie sie finanzieren kAi??nnen und das gilt es als normal. Oder ein anderes Beispiel: im Christentum gilt der Grundsatz, dass die Ehe nur im beidseitigen Einvernehmen beschlossen werden darf, deswegen muAYten der Mann und die Frau vor dem Altar, spAi??ter vor dem Standesbeamten ai??zjaai??? sagen. Das ist vielen Kulturen vAi??llig unverstAi??ndlich. Da verheiraten die Eltern ihre Kinder. So etwas gibt es bei uns auch, das will ich nicht leugnen. Das sind verschiedene Antworten auf verschiedene Fragen und das sollte man wissen. Was in einer Religion als erlaubt und geboten gilt, was als heilig gilt. Wenn man das nicht weiAY, kann man sich schwer verstAi??ndigen. Aus der Unkenntnis enstehen jede Menge MissverstAi??ndnisse und da alle Religionen bereit sind, im Zweifelsfall ihre Position mit Gewalt zu verteidigen, kAi??nnen solche MissverstAi??ndnisse leicht zu militanten Auseinandersetzungen bis zu Kriegen beitragen. Nun will ich nicht sagen, dass die Religionen die Verursacher der Kriege sind. Da halte ich mich ein bisschen heraus. Aber Sie kAi??nnten in den letzten Jahrzehnten beobachten, dass es praktisch kaum einen Krieg gibt, von Falklandkrieg abgesehen, wo die Fronten zwischen den krieg-fA?hrerden Parteien nicht an Konfessionsgrenzen und Religionsgrenzen verlaufen und die Menschen sich nach ihrer Religions- oder KonfessionszugehAi??rigkeit organisieren. Die Religionen haben also nach wie vor Kraft, die Menschen dazu zu bringen, sich in Gruppen zu organisieren, die aufeinander einschlagen Ai??und den Nachbarn tAi??ten. Das war in Jugoslawien so, die Fronten zwischen der serbischen orthodoxen Kirche, der katholischen Kirche und der muslimischen. Das war in Nordirland so zwischen Protestanten und Katholiken. Das ist im Vorderen Orient so. Das ist vielleicht in der Ukraine so zwischen der Russisch Orthodoxen Kirche, die sich nach Moskau orientiert, der autonomen Ukrainischen Kirche, der reunierten Kirche, der rAi??misch oder lateinisch Orthodoxen. Das war eine alte Religionsgrenze in Europa zwischen dem orthodoxen Einflussbereich und dem lateinischen Einflussbereich, also auch dort haben sie diese Grenze. In Indien, die Fronten zwischen Hindus und Moslems und den Christen, Sri Lanka habe ich schon genannt zwischen Hindus und Buddhisten und das kAi??nnen Sie fortsetzen in Myanmar. A?berall spielen die Religionen bei den Gruppierungen der Menschen in Freund und Feind eine ganz entscheidende Rolle. Da haben die Religionen die Aufgabe, nicht nur immer vom Frieden zu reden, sondern sich als erstes ihrer kriegerischen Vergangenheit zu besinnen und diese nicht zu leugnen und sich selber zu fragen, welche Momente in ihnen zu militanten Auseinandersetzungen und Kriegen beitragen.

KAi??nnen sich die Religionswissenschaftler irgendwie nA?tzlich machen als Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen und der zwischen sAi??kularen und der religiAi??sen Traditionen?

Ich sehe die Aufgabe der Religionswissenschaft, die Menschen A?ber die Religion und zwar auch A?ber die eigene Religion aufzuklAi??ren. Ich habe zum Beispiel folgende Erfahrung gemacht, als ich von Kunstlehrer eingeladen war, Darstellungen der griechischen Methodologie im Museum zu erlAi??utern. Ai??Um zu den mythologischen Bildern zu kommen, mA?sste man durch einen langen Gang mit Kreuzigungen gehen. Da fragt mich ein SchA?ler: ai??zSagen Sie bitte, wer ist denn das, wer da so unbequem an der Latte hAi??ngt?ai??? Ein anderes Beispiel: hier in Berlin war ich in einer Klasse, da waren 16-17-JAi??hrige, die Hauptsache – Moslems. Die sagten mir: ai??zVon ihnen lassen wir uns gar nichts sagen. Wir sind Moslems und wir unterliegen ganz anderen Normenai???. Da sagte ich: ai??zDann reden wir doch mal A?ber den Islamai???. Und ich habe ihnenAi?? die Frage gestellt: ai??zWie viele SAi??ulen des Islam gibt es? Was sind die Sieben SAi??ulen des Islam?ai??? Das war eine Fangfrage, denn es sind fA?nf, nicht sieben, schon das wuAYten die SchA?ler nicht. Und sie konnten mir Fasten und Ramadan aufzAi??hlen und dann fiel ihnen noch das Bekenntnis ein und damit war Schluss. Da habe ich ihnen gesagt: ai??zSehen Sie sich erst einmal an, was Ihre Religion ist und lesen Sie nicht nur den Koran und entsprechende Interpretationstexte, sondern durch die Geschichte der Positionen bis heuteai???. Ich sehe, dass Religionen fA?r alles MAi??gliche gebraucht und missbraucht werden und darunter eben auch fA?r Gewaltaktionen und sonstige Rechtfertigungen von sozial nicht akzeptierten Verhalten. Das wird auch innerhalb des Islam heftig kritisiert. Viele Moslems beklagen, dass diese entsprechenden Texte in Europa nicht zur Kenntnis genommen werden. Also es gibt genug Stellungnahmen gegen Bin Laden, gegen die IS auch von der islamischen Seite. Ich kann die nicht immer richtig einschAi??tzen, welche Bedeutung sie haben, aber sie gibt es.

Aufgabe der Religionswissenschaft kann sein, den Menschen deutlich zu machen, was ihre Religion ist, wie ihre Religion aussieht und dies geschichtlich zu zeigen. Eventuell kann Religionswissenschaft noch beleuchten, welche Konsequenzen aus bestimmten Vorstellungen entspringen. Wenn sie die Vorstellung haben, dass die Eltern Ai??die TAi??chter verheiraten mA?ssen, hat das natA?rlich Konsequenzen, wie man in Berlin beobachten kann. Diese individuellen und sozialen Konsequenzen kann man aufweisen. Man kann vielleicht noch den AnhAi??ngern der Religion klar machen, dass ihr Zentrum, ihr Gottesglaube vAi??llig unberA?hrt bleibt von dem, was kulturell und gesellschaftlich hier stattfindet. Man kann herausarbeiten, daAY unter den Bedingungen einer plurireligiAi??sen Gesellschaft jeder das gleiche Recht hat, und dass die Gesellschaft nach Wegen suchen muAY, die ein friedliches Zusammenleben von AnhAi??ngern Ai??der Religionen mAi??glich machen.