Putinverstehen. Lesung und Gespräch mit Michail Sygar am 22. Juni in Berlin

»Die erste überzeugende Beschreibung dessen, was in den letzten 20 Jahren in Russland geschehen ist. Ein wichtiges Buch und eine Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu bekommen.«   Swetlana Alexijewitsch (Literaturnobelpreis 2015)

»Das Buch ist gewissermaßen ein House of Cards für das politische Moskau – ein packend geschriebener Bericht über die Kämpfe, Bündnisse und Intrigen, die in den Kabinetten des Kreml und den Villen der Rubljowka stattgefunden haben.«   Frankfurter Rundschau

Sygar AnonceWie konnte Wladimir Putin zum Paria der Weltgemeinschaft werden? Warum destabilisiert der russische Präsident die Ukraine, Europa und sein eigenes Land? Glänzend rekonstruiert Michail Sygar Putins Wandlung vom Reformer zum „Putin dem Schrecklichen“ aus unzähligen Gesprächen mit hochrangigen Vertretern der Machteliten: Oligarchen wie Boris Beresowskij, Michail Chodorkowskij, Michail Prochorow, Spitzenpolitiker wie Dmitrij Medwedew, Wladislaw Surkow, Juri Luschkow, Alexei Kudrin oder Alexander Woloschin.

Der im Jahr 2000 überraschend zum Präsidenten gewählte Wladimir Putin orientiert sich zunächst nach Westen, will in den Club der Staatenlenker wie Tony Blair, George W. Bush und Gerhard Schröder aufgenommen werden. Doch bald fühlt er sich betrogen, von der Nato-Osterweiterung, den angeblich vom Westen unterstützten „orangen“ Revolutionen in Georgien und der Ukraine. Er räumt potenzielle Rivalen wie Michail Chodorkowski aus dem Weg und zieht innenpolitisch die Zügel an. Es folgt eine Phase, in der Putin sich eher wie ein mächtiger Oligarch gibt, in der er das „gute Leben“ der Superreichen schätzen lernt. Während der Präsidentschaft Medwedews bleibt er mit seinen PR-Stunts – halbnackt auf dem Pferd, mit Weißkranichen fliegend – omnipräsent. Als sich zu Beginn seiner dritten Amtszeit das Großstadtpublikum von ihm abwendet, besinnt Putin sich auf das einfache Volk, mit dem er sich im Hass auf Amerika einig weiß. Die Maidan-Revolution in Kiew füttert seine Paranoia: Die USA haben es in Wirklichkeit auf ihn abgesehen. Die Folgen sind bekannt – aber unabsehbar auch für sein eigenes (politisches) Überleben.

Michail Sygar, geboren 1981, war bis Dezember 2015 Chefredakteur von Doschd TV, dem einzigen unabhängigen Fernsehsender in Russland, der angesichts staatlicher Repression derzeit nur über das Internet zu empfangen ist. Sygar, einer der bekanntesten Journalisten Russlands, hat als Kriegsreporter für die Tageszeitung Kommersant berichtet und war stellvertretender Chefredakteur der russischen Ausgabe von Newsweek. Gemeinsam mit Waleri Panjuschkin hat er 2008 das Buch „Gazprom. Das Geschäft mit der Macht“ veröffentlicht, welches in 15 Sprachen übersetzt wurde.

Wann: Mittwoch, 22. Juni 2016, 19:00 Uhr
Wo: PANDA Theater, Kleiner Hof der Kulturbrauerei, Knaackstr. 97, 10435 Berlin
Tickets: AK 10€ / VVK 8€ / Ermäßigt 5€
Reservierung: info@idecembrists.de
Buchautor: Michail Sygar „Endspiel. Die Metamorphosen des Wladimir Putin“, 2015
Moderation: Maria Birger, Historikerin, Beirat Lew Kopelew Forum (Berlin/Köln)
Gelesen von Ines Burdow
Sprachen: Deutsch / Russisch mit Übersetzung