Aufruf zur Kundgebung am 20. September 2014

Stoppen Sie den Krieg gegen die Ukraine!
Für Frieden und Menschenrechte in Europa!

Aufruf zur Kundgebung am 20. September 2014 um 11.30 Uhr
vor der Botschaft der Russischen Föderation, Unter den Linden 63 – 65, 10117 Berlin

25 Jahre nach der „Wende“, die für uns viele neue Möglichkeiten zum Aufbau eines „Gemeinsamen Europäischen Hauses“ schuf, droht uns aus den Händen zu gleiten, wofür wir ein Vierteljahrhundert eingetreten sind: Gemeinsam haben wir in Russland, in der Ukraine und in Deutschland mit Kolleginnen und Kollegen in vielen anderen Ländern daran gearbeitet, die Ost-West-Konfrontation friedlich zu überwinden. Durch praktische zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit treten wir für die Werte der Europäischen Menschenrechtskonvention ein. Diese Arbeit zielt auf einen dauerhaften Frieden in Europa, der von den Bürgerinnen und Bürgern in Europa getragen wird.

Entsetzt müssen wir in den letzten Monaten zur Kenntnis nehmen, dass die russische Führung dabei ist, die Grundlagen eines „Europäischen Hauses“ zu zerstören: Nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim unterstützt sie von Russland abhängige Machthaber im Osten der Ukraine, denen schwerste Übergriffe gegen die Zivilbevölkerung anzulasten sind. Der Kreml führt in der Ukraine Krieg! Mitten in Europa muss die Zivilbevölkerung – wie immer sie zur derzeitigen Führung in Kiew stehen mag – die Folgen dieses Krieges tragen, der auf allen Seiten zu Menschenrechtsverletzungen führt.

Die Aggression nach außen wird begleitet von Repressionen nach innen. Seit Jahren geht die russische Führung gegen die eigene Zivilgesellschaft vor. Immer schärfere Einschränkungen des Demonstrationsrechts und die Denunzierung unabhängiger Nichtregierungsorganisationen als „ausländische Agenten“ sind hierfür ebenso Beleg wie willkürliche Strafverfolgung und die Inhaftierung Einzelner. Mit immer neuen Maßnahmen versucht die russische Führung die Grundlagen für eine internationale Zusammenarbeit „von unten“ zu zerstören.

Deshalb fordern wir von der russischen Führung: Halten Sie ein! Achten Sie die territoriale Integrität der Ukraine! Hören Sie auf mit dem Schüren von Feindbildern nach innen und außen und wahren Sie die Chancen, die das Ende des Kalten Krieges uns allen gebracht hat!

An die anderen Regierungen Europas appellieren wir: Verteidigen Sie das Ziel eines „Europäischen Hauses“, das durch die Rückkehr militärischer Gewalt als Mittel der Politik auf lange Zeit zerstört würde. Treten Sie entschieden für die Integrität aller europäischen Staaten und die Europäische Menschenrechtskonvention ein! Wer jetzt nicht bereit ist, dem Angriff auf die europäische Friedensordnung entgegenzutreten und die Unabhängigkeit der Ukraine zu schützen, gibt die Fundamente preis, auf denen das „Gemeinsame Europäische Haus“ gründet.

Wir jedenfalls werden uns nicht beirren lassen und unsere Zusammenarbeit für ein friedliches, demokratisches Europa fortsetzen. Gemeinsam mit unseren Kolleginnen und Kollegen aus der russischen Zivilgesellschaft, die für den 21. September 2014 eine Demonstration in Moskau vorbereiten, möchten wir auch in Berlin ein Zeichen der Solidarität setzen mit den Menschen in der Ukraine und denen, die in Russland für Demokratie und Menschenrechte eintreten. Sorgt durch Eure Beteiligung dafür, dass das ein kraftvolles Zeichen wird!

Unterzeichnerinnen und Unterzeichener:

Thomas Ammer, Euskirchen; Vera Ammer, Initiative Demokratische Ukraine, Köln; Juri
Andruchowytsch, Autor, Berlin, Nikolaus Becker, Fotograf, Berlin; Lukas Beckmann, Vorstand der GLS Treuhand e.V., Berlin; Jutta Begenau, Medizinsoziologin, Berlin; Yevgenia Belorusets, Autorin/Fotografin, Berlin/Kiew; Oleksandra Bienert, PRAVO, Berlin Group for Human Rights in Ukraine, Berlin; René Böll, Maler und Grafiker, Köln; Martin Böttger, Martin-Luther-King-Zentrum, Werdau; Tim Bohse, Deutsch-Russischer Austausch, Berlin; Marit Cremer, MEMORIAL Deutschland, Berlin; György Dalos, Schriftsteller, Berlin; Andreas Decker, MEMORIAL Deutschland e.V., München;
Marat Dickermann, Kammermusiker, Frankfurt am Main; Christian Dietrich, Thüringer Landesbeauftragter für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Erfurt; Frank Ebert, Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., Berlin; Wolfgang Eichwede, Historiker, Berlin/Bremen; Sabine Erdmann-Kutnevic, MEMORIAL Deutschland e.V., Berlin; Alexander Formozov, iDecembrists e.V., Berlin; Peter Franck, Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V., Berlin; Kathrin Franke, Solidarität mit der Bürgergesellschaft in Russland e.V., Berlin; Karl Wilhelm Fricke, Publizist, Köln; Ralf Fücks, Heinrich Böll Stiftung, Berlin/Bremen; Swetlana Gannuschkina, Civic Assistance Committee, Moskau; Olga Gogoleva, Studentin, Berlin; Evghenie Golovaniuc, Köln; Gerold Hildebrand, Sozialwissenschaftler, Berlin; Wladimir Kaminer, Schriftsteller, Berlin; Kurt-Christoph v. Knobelsdorff, MinDir, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie d. Landes Schleswig-Holstein, Kiel/Berlin; Christiane Körner, Literaturübersetzerin, Frankfurt am Main; Aleksei Kozlov, www.art.20.org, Woronesch/Berlin; Sergej Kowaljow, MEMORIAL, Moskau; Olaf Kühl, Schriftsteller und Übersetzer, Berlin; Tetiana Lopashchuk, Dachverband der ukrainischen Organisationen in Deutschland, Kiew/Berlin; Christian Lübke, Geisteswiss. Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V., Leipzig; Ekkehard Maaß, Publizist, Vorsitzender der Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft, Berlin; Markus Meckel, Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, Außenminister a.D., Berlin; Stefan Melle, Deutsch-Russischer Austausch e.V., Berlin; Edith Müller, Bündnis 90/Die Grünen, Berlin; Karl-Ernst Müller, Partnerschaft zur Ukraine e.V.; Barbara von Ow-Freytag, EU-Russia Civil Society Forum, Berlin, Kateryna Petrovska, Schriftstellerin, Berlin; Andrij Portnow, Historians.in.ua, Berlin, Eva Quistorp, MdEP a.D.,Frauen für Frieden, Berlin; Edgar von Radetzky, Facharzt, MEMORIAL Deutschland e.V., Berlin;Waleria Radziejowska-Hahn, Köln; Sarah Reinke, Gesellschaft für bedrohte Völker, e.V., Berlin; Axel Reitel, Autor, Berlin; Michail Ryklin, Philosoph, Berlin; Manfred Sapper, Zeitschrift „osteuropa“, Berlin; Natalja Schapeler, Euromaidan Wache Berlin, Berlin; Irina Scherbakowa, MEMORIAL, Moskau; Stefanie Schiffer, Geschäftsführerin Europäischer Austausch gGmbH, Berlin; Elena Schlosser, Konferenzdolmetscherin, Übersetzerin, Berlin; Ulrich Schreiber, internationales literaturfestival berlin, Berlin; Tom Sello, Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., Berlin; Anna Sevortian, EU-Russia Civil Society Forum, Berlin; Diana Siebert, Köln; Nadja Simon, Simultandolmetscherin, Pulheim; Brigitte Steudel, Rentnerin, Berlin; Heinz Steudel, Rentner, Berlin; Wolfgang Templin, Publizist, Berlin, Stefan Troebst, Universität Leipzig; Esther Ullmann-Goertz, Pfarrerin, Mitgründerin der Gruppe „Solidarische Kirche“ in der DDR, Berlin; Elisabeth Weber, Lew Kopelew Form e.V., Köln; Gerhard Weigt, Physiker, Berlin; Ingrid Weigt, Ärztin, Berlin; Gunter Weißgerber, MdB a.D., Leipzig; Reinhard Weißhuhn, Robert-Havemann-Gesellschaft e.V., Berlin; Eva Wiesenecker, Slavistin und Autorin, Darmstadt